Hut geht
vor Haube

KathrinDas Lindenberger Hutmuseum gibt einen Einblick in die jahrhundertealte Huttradition der Stadt Lindenberg. Diese geht bis in das 16. Jahrhundert zurück.

Damals lebte Lindenberg vom Pferdehandel mit Italien. Einer dieser Pferdehändler, so die Überlieferung, musste wegen Krankheit in Italien überwintern. Bei seinem unfreiwilligen Aufenthalt im Süden beobachtete er das Strohflechten und Hütemachen und brachte diese Kenntnis nach Lindenberg mit. Am Anfang wurden die Hüte nur für den eigenen Gebrauch hergestellt, doch ab 1755 begann man, den Vertrieb und die Produktion zu organisieren. Die ersten Hutfabriken wurden in der Biedermeierzeit um 1830 gegründet; bis 1890 gab es bereits 34 Strohhuthersteller. Sie stellten ca. 8 Millionen Strohhüte im Jahr her. Nicht verwunderlich also, dass Lindenberg Anfang des 20. Jahrhunderts als Zentrum der deutschen Herrenstrohhutindustrie galt und das "Klein-Paris" der Hutmode genannt wurde. Zu dieser Zeit, im Jahr 1914, wurde der damalige Markt Lindenberg zur Stadt erhoben.

In den 20er-Jahren aber erfährt die Strohhutindustrie eine Krise und die Betriebe versuchen in den nächsten Jahrzehnten, mit Filz, Leder, Dralon und Pelz gegenzusteuern, was auch gelingt. Dann aber kommt mit den 60er- und 70 er Jahren eine zunehmend hutlose Mode. Sie zwingt alteingesessene Firmen, ihre Fabrikation einzustellen. Die Hutindustrie verliert ihre vorrangige Stellung im Lindenberger Wirtschaftsleben. Heute gibt es nur mehr eine namhafte Hutfabrik am Ort: die Firma Mayser GmbH & Co.KG.

Das Hutmuseum erinnert an diese Zeit, in der die Ursprünge des heutigen Lindenbergs liegen. Darüber hinaus werden mit originalen Arbeitsgeräten und Maschinen die vielen Arbeitsschritte nachempfunden. Die verschiedenen Modestile der vergangenen Jahrhunderte zeigen unzählige Hutmodelle aus allen Epochen.

Geschichte des Museums

Einzigartig dürfte die Geschichte der Hutherstellung sein. Sie hat Lindenberg eigentlich zu dem gemacht, was es heute ist. Ausgehend vom Pferdehandel über die handwerkliche Fertigung in Familien sowie Kleinstbetrieben entsteht im Westallgäu das Zentrum der deutschen Strohhutindustrie. Wachstum und Wohlstand, Bekanntheit in aller Welt folgen. Das Hutmuseum nimmt dieses Thema auf. Hans Stiefenhofer und Manfred Röhrl haben in mehreren Jahrzehnten die vermutlich bedeutendste Sammlung der Hutkultur zusammengetragen.  Dafür braucht es Platz und einen authentischen Ort, der mit der Eröffnung des Deutschen Hutmuseums Lindenberg in den Räumen der ehemaligen Hutfabrik Ottmar Reich geschaffen wurde.

Im Dezember 2014 ist das neuen Deutsche Hutmuseum Lindenberg feierlich eröffnet worden und schon im Jahr darauf ist es mit dem Bayerischen Museumpreis 2015 ausgezeichnet worden.

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